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LEBENSGESCHICHTEN

Als James Maki in einer Bostoner U-Bahn-Station auf die Stromschiene stürzte, veränderte sich sein Leben in einem brutalen Augenblick.

Die Spannung der Stromschiene verbrannte ihm fast das gesamte Gesicht. Zurück blieb nicht nur die körperliche Verwüstung, sondern ein Schmerz, der tiefer ging als jede sichtbare Wunde.

Sein Gesicht war so entstellt, dass er sich jahrelang von der Welt isolierte. Er mied Tageslicht, Menschen, Spiegel.

Nicht nur wegen der Narben, sondern auch wegen der Blicke. Wegen des Getuschels. Wegen der Grausamkeit, die manchmal still ist, aber wie ein Schlag ins Herz trifft.

Als er bei einer Pressekonferenz im Brigham and Women’s Hospital vor die Kameras trat, war es mehr als nur ein medizinischer Moment. Es war die Wiedergeburt eines Mannes.

Ein Team aus 35 Chirurgen und Spezialisten hatte in einer 17-stündigen Operation das scheinbar Unmögliche versucht: eine Teilgesichtstransplantation, die erste ihrer Art in Neuengland und erst die zweite in den gesamten Vereinigten Staaten.

Doch was dort geschah, war mehr als nur ein chirurgischer Eingriff. Es war ein Akt des Mutes, der Wissenschaft und der Menschlichkeit.

Dr. Bohdan Pomahac, der Maki in der Unfallnacht behandelte, erinnert sich noch immer an das Ausmaß der Verwüstung.

„Er kam in einem unbeschreiblichen Zustand an“, sagte er leise. „Sein Gesicht war fast vollständig verbrannt: seine Nase, seine Oberlippe, sein Gaumen, fast seine gesamte Haut.“

Mehrere Operationen wurden durchgeführt, um zu retten, was noch übrig war. Doch nichts konnte ihm zurückgeben, was er verloren hatte. Wo einst seine Nase gewesen war, klaffte nun ein riesiges Loch.

Sein Mund war so schwer verletzt, dass selbst Sprechen und Essen zur Qual wurden. Jeder Bissen, jedes Wort war ein Kampf.

Dann geschah in Frankreich das Unfassbare: die weltweit erste Gesichtstransplantation. Ein Hoffnungsschimmer. Ein medizinisches Wunder, das plötzlich Wirklichkeit wurde. Makis Ärzte begannen zu prüfen, ob eine solche Rettung auch für ihn möglich wäre.

Und so erhielt er letzten Monat eine neue Nase, eine neue Oberlippe, einen neuen Gaumen: Haut, Muskeln und Nerven, die ihm nicht nur sein Aussehen, sondern auch seine Sinne und seinen Ausdruck zurückgaben.

Als er nach der Operation zum ersten Mal in den Spiegel blickte, stockte ihm der Atem. „Mein erster Gedanke war: ‚Meine Nase sieht wieder so aus wie vorher‘“, sagte er mit zitternder Stimme.

Es war keine Eitelkeit. Es war Wiedererkennung. Ein Stück seiner Identität, das aus der Asche auferstand.

Maki, ein Vietnamveteran, der nach dem Krieg gegen die Sucht kämpfte, spricht heute von dieser Transplantation als seiner „zweiten Chance“.

Er ist Vater einer 23-jährigen Tochter, lebt getrennt von seiner Frau und trägt die Narben eines Lebens, das ihn oft an den Rand des Abgrunds trieb. Doch nun leuchtet auch Hoffnung in seinem Gesicht.

Sein neues Gesicht ist noch von sichtbaren Narben gezeichnet. Ein Auge ist teilweise bedeckt. Die Brandnarben sind nicht ganz verschwunden. Aber sie bestimmen nicht mehr sein Wesen.

Auf der Pressekonferenz stand die Witwe des Spenders, Joseph Helfgot, in Vertretung seiner Frau Susan Whitman-Helfgot daneben. Ihre Entscheidung, das Gesicht ihres verstorbenen Mannes zu spenden, zeugt von unbeschreiblicher Größe.

„Jim wieder atmen, sprechen und essen zu sehen, ist ein Segen“, sagte sie bewegt und appellierte an die Öffentlichkeit, Organspender zu werden.

Das Krankenhaus stellte Maki die 200.000 Dollar teure Operation nicht in Rechnung; es war sein erster Eingriff dieser Art. Möglicherweise sind noch kleinere Korrekturen nötig.

Und für den Rest seines Lebens muss er Medikamente einnehmen, um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern – Medikamente, die eigene Risiken bergen.

Doch für Maki ist der Preis gering im Vergleich zu dem, was er zurückgewonnen hat: die Fähigkeit, wieder zu essen, wieder frei zu atmen, wieder auszugehen, ohne Blicke ausweichen zu müssen.

Für ihn ist es ein wahres Wunder. Ein Wunder des Mutes, des Mitgefühls und eines zweiten Gesichts, das ihm ein zweites Leben geschenkt hat.

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