
Katie Stubblefield lächelt manchmal, wenn sie über ihre Gesichtstransplantation spricht, mit einem Humor, der viele überrascht. „Es war wohl der längste Traum meines Lebens“, sagt sie und versucht, die Ernsthaftigkeit des Eingriffs mit einem Anflug von Leichtigkeit zu verarbeiten.
Doch hinter dieser Aussage verbirgt sich eine Geschichte voller Schmerz, Angst und unerschütterlicher Hoffnung.
Als ihre Stimme noch versagte und ihre Worte nicht deutlich genug waren, waren ihre Eltern, Robb und Alesia, an ihrer Seite, so wie seit jenem schicksalhaften 25. März 2014.
Damals war Katie erst 18 Jahre alt. Die selbst zugefügte Schusswunde im Gesicht war so schwerwiegend, dass fast niemand an ihr Überleben glaubte. Ihr Gesicht war fast vollständig entstellt, ihr Körper von Komplikationen gezeichnet. Und doch schlug ihr Herz weiter.

„Vier Schritte vorwärts, zwei zurück“, so beschreibt ihr Vater Robb oft den langen Weg der Familie. Es war ein langer Weg durch Intensivstationen, Operationssäle und endlose Nächte voller Angst.
Schließlich wurde Katie Patientin in der Cleveland Clinic und schrieb Medizingeschichte. Dort unterzog sie sich der dritten Gesichtstransplantation des Krankenhauses und der ersten vollständigen Gesichtstransplantation der Klinik.
Mit nur 21 Jahren wurde sie die jüngste Gesichtstransplantationsempfängerin in den Vereinigten Staaten. Der Eingriff war monumental. Ein Team aus elf Chirurgen und Dutzenden von Spezialisten arbeitete 31 Stunden lang.
Fast ihr gesamtes Gesichtsgewebe wurde ersetzt: Kopfhaut, Stirn, Augenlider, Augenhöhlen, Nase, Wangen, Ober- und Unterkiefer, Zähne, Muskeln, Nerven; ihre gesamte Gesichtshaut. Hundert Prozent ihres Gesichtsgewebes wurden transplantiert.
Es war, als ob ihr Schicht für Schicht ein neues Leben geschenkt worden wäre.

Und doch war es kein Wunder, dass alles sofort verheilte. Ihre Genesung dauert bis heute an. Katie lernt Blindenschrift,
da sie ihr Augenlicht noch nicht wiedererlangt hat.
Sie wird sich weiteren Operationen unterziehen, um die Funktion ihres Kiefers und ihrer Zunge zu verbessern. Jeder Schritt nach vorn ist ein Kampf, jeder kleine Erfolg ein Triumph.
Trotz allem blickt sie optimistisch in die Zukunft. Sie träumt von einem Studium. Vielleicht möchte sie später einmal Beraterin oder Lehrerin werden. Sie sehnt sich nach Unabhängigkeit und danach, eines Tages einfach nur die Straße entlanggehen zu können, ohne angestarrt zu werden.
Ihre Mutter, Alesia, beschreibt die Transplantation als „eine zweite Chance im Leben“. Während des ethischen Vorgesprächs vor dem Eingriff sagte Katie mit bemerkenswerter Klarheit: „Ich kann nicht zurück. Ich muss nach vorn schauen.“

Es grenzt fast an ein Wunder, dass die Kugel ihr Gehirn nur gestreift hat. Die Sanitäter konnten kaum glauben, dass sie noch lebte. Nach der Erstversorgung in Mississippi wurde sie in ein Traumazentrum in Memphis verlegt. Es folgten Dutzende von Operationen, jede ein Kampf.
Von Anfang an machten die Ärzte deutlich: Ohne eine Transplantation war ihre Zukunft ungewiss. Fünf Wochen nach der Verletzung wurde Katie in die Cleveland Clinic verlegt.
Dort verbrachte sie Jahre, überstand rekonstruktive Eingriffe und Untersuchungen und wartete bang auf einen geeigneten Spender. Spezialisten fast aller medizinischen Fachrichtungen wurden zu einem festen Bestandteil ihres Lebens.
Mit der Unterstützung der Psychiaterin Dr. Kathy Coffman war Katie jahrelang emotional auf diesen Schritt vorbereitet. 2015 unterzeichnete sie die Einverständniserklärung.
Doch es dauerte weitere 18 Monate, bis ein geeigneter Spender gefunden war – ein Prozess, der durch Katies junges Alter und ihre geringe Körpergröße erschwert wurde.

Drei Jahre nach ihrer Ankunft in Cleveland erhielt sie den Anruf. Ein Spender war gefunden worden.
Die Operation erwies sich als komplexer als erwartet. Dennoch gelang es dem Team, das gesamte Gesichtsgewebe des Spenders, vom mittleren Schädelbereich bis zum Hals, erfolgreich zu transplantieren. Knochenstrukturen wurden verwendet, um ihren Ober- und Unterkiefer zu rekonstruieren.
Heute, nach mehr als 17 Operationen, kann Katie kauen, schlucken, freier atmen und Gefühle ausdrücken. Ein Lächeln. Ein Stirnrunzeln. Ein sanftes Hochziehen der Augenbrauen. Kleine Bewegungen, die andere für selbstverständlich halten, sind für sie Wunder.
Ärzte sprechen von einem Erfolg, der durch medizinische Innovationen, aber auch durch die bedingungslose Liebe ihrer Familie und die unermessliche Großzügigkeit der Spenderfamilie ermöglicht wurde.
Katie selbst fand Worte der Dankbarkeit, die sie tief bewegten: „Ich werde ewig dankbar sein für die mir zuteilgewordene Pflege und für das außergewöhnliche Geschenk, das mir mein Spender und seine Familie gemacht haben. Ich kann es nicht in Worte fassen.“
Ihr Weg ist noch nicht zu Ende. Weitere Operationen, Therapien und Herausforderungen erwarten sie. Doch ihr Vater sagt leise, mit jener Mischung aus Demut und Hoffnung, die nur jene kennen, die ihr Kind beinahe verloren hätten:
„Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Aber wir sind dankbar, dass sie lebt.“







